In der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft und Innovation am 30.06.2026 stellte die Wirtschaftsförderung der Stadt Gelsenkirchen erneut ihre Arbeit in zentralen Bereichen wie Fachkräftesicherung und Start-Up-Förderung vor. Dabei wurde vor allem eines deutlich: Es mangelt nicht an Projekten, Veranstaltungen, Netzwerken oder neuen Strukturen. Doch auf die entscheidende Frage, woran der Erfolg dieser Maßnahmen eigentlich gemessen werden soll, blieb die Verwaltung erstaunlich vage. Auf Nachfrage nach konkreten Zielgrößen, Kennzahlen und messbaren Erfolgen fiel sogar der Begriff „ergebnisoffen“. Ein bemerkenswertes Eingeständnis! Selbstverständlich braucht Strukturförderung Zeit. Niemand erwartet kurzfristige Wunder. Aber gerade deshalb braucht es von Anfang an klare Zielvorgaben und ein laufendes Monitoring. Wer nicht definiert, was erreicht werden soll, kann am Ende auch nicht beurteilen, ob ein Projekt erfolgreich war – oder gescheitert ist. In jedem Unternehmen wäre ein solches Vorgehen kaum vorstellbar. Dort werden Investitionen, Personalaufbau und neue Projekte regelmäßig überprüft und an messbaren Ergebnissen ausgerichtet. Umso erstaunlicher ist es, dass dieser Anspruch in Gelsenkirchen offenbar nicht in gleichem Maße gelten soll – obwohl hier mit Steuergeld gearbeitet wird. Noch problematischer war allerdings die politische Reaktion im Ausschuss. Statt die berechtigten Fragen nach Wirkung, Wirtschaftlichkeit und Zielsetzung zu unterstützen, wurde unser Nachfragen selbst von Vertretern der CDU und Grünen kritisiert. Die Wirtschaftsförderung müsse erst einmal „machen dürfen“, hieß es sinngemäß. Doch genau hier liegt das eigentliche Problem. Politik hat nicht nur die Aufgabe, neue Strukturen zu schaffen und Haushaltsmittel freizugeben. Politik hat vor allem die Pflicht, deren Wirkung zu kontrollieren. Denn, wenn erst in fünf Jahren festgestellt wird, dass Maßnahmen nicht den gewünschten Erfolg gebracht haben, dann ist nicht nur Geld verloren.Dann ist vor allem Zeit verloren. Zeit, die Gelsenkirchen im Strukturwandel längst nicht mehr hat. Fragen zu stellen, Zielvorgaben einzufordern und Erfolge messbar zu machen, gehört zum Kern verantwortungsvoller Kommunalpolitik. Wer diesen Auftrag nicht ernst nimmt, handelt verantwortungslos gegenüber unserer Stadt.
